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Kurzer Überblick/Synopsis

(Stichworte)

 

 

'Gesund und glücklich – Visionen einer neuen Arbeitsgesellschaft!?'

Eine europäsiche Herausforderung

 

Europäische Konferenz vom 22. bis 24. Oktober 2012 in Herzogenrath, Deutschland

 

 

 

Arbeit in den Industriestaaten macht die Menschen zunehmend krank und unglücklich. Krankheiten und Unglücklich sein wirken sich zunehmend auch auf das ganze Leben der Menschen aus.

 

Natürlich gibt es gesellschaftliche Gegenmodelle. Vor allem in Lateinamerika, Mittel- und Südasien Karl Rabeder 2012sind sich die Regierungen darüber im Klaren, dass die weitere Ausbeutung von Mensch, Flora und Fauna für ausschließlich materialistische und kapitalistische Ziele keine nachhaltige und positive Entwicklung bewirken wird.

Beispiel: Bhutan: In der demokratischen Verfassung dieses Landes ist in Artikel 9 Absatz 2 folgendes Ziel angegeben: (Zitat Anfang) „Der Staat wird sich bemühen, die Bedingungen zu fördern, damit das Streben nach Bruttonationalglück sich erfüllt.“ (Zitat Ende). Das Glück des Einzelnen als Staatsziel. Glück als Staatsräson.

 

Karl Rabeder aus Österreich folgt „der Stimme seines Herzens“. Nur der einzelne Mensch kann sich ändern. Dann verändert sich auch die Arbeitswelt. Persönliche Werte sollen konsequent umgesetzt werden. Positiv eingestellte Menschen sind gesund und glücklich. Die nur individuellen Wege dorthin gehen nicht über die Institutionen, sind aber so zahlreich wie die Sterne am Firmament. Es sei im Grunde auch ganz einfach. Liebe ist das Fundament des eigenen Weges. Und der Mut, ihn auch zu gehen. „Glück ist nicht eine Station bei der man ankommt, sondern eine Art zu reisen“. Wenn Reiskorn zu Reiskorn kommt, werden sich Arbeitssysteme automatisch verändern. Quasi der Dominoeffekt.

Leo Pauwels Mitgründer und Ehrenvorsitzender der EZA betont, dass Glück und Gesundheit integrierter Leo Pauwels 2012Bestandteil des Arbeitslebens sein muss. Denn mit Arbeit verbringt ein Mensch einen großen Teil seines Lebens. „Der Mensch muss wieder in das Herz des Unternehmens gerückt werden.“

 

Trinidad Munoz-Villoria von der mobbing asbl aus Luxembourg spricht über die sich rasant verändernden Unternehmen. Aufgrund der globalisierten Wirtschaft sei der Druck auf Marktanteile und Kosten enorm. Der Zwang zur Anpassung besteht. Kultureller Trinidad Munoz-Villoria 2012 Wandel, demographischer Wandel sind Stichworte.

Die Personalführungsmodelle – die eigentlich zum Vorteil für alle gedacht waren – werden heute als eine Art Messer gegen die arbeitenden Menschen benutzt. Kernbegriffe sind Flexibilität, Implikation, Vielfältigkeit. Um das zu verändern, müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber dringend gleichberechtigt neue Wege finden. Vielleicht muß die Arbeitgeberseite auch auf positive Veränderungen verpflichtet werden. Beide Ebenen sind wichtig: Der einzelne Mensch und die Gesetze.

 

Tetyana Lutsyk Pastoralassistentin am Bistum Aachen zeigt den Weg der Spiritualität auf. Der ist aber nicht nur religiös zu verstehen. Sie analysiert die heutige Lage des einzelnen Menschen: Zeitnot, Lebenskrisen, Arbeitsüberlastung, Angst bestimmen seinen Alltag. Tetyana Lutsyk 2012 Sie nennt es das „Erschöpfte Ich“ und zitiert ausführlich aus einer Studie des Gottlieb Duttweiler Institute aus der Schweiz. Spiritualität ist in jedem Menschen vorhanden. Es gibt eine immer bleibende Sehnsucht nach ihr. Sie ist wirklich. Aber als Lebens- und Geisteshaltung stehe sie immer noch im Gegensatz zu den etablierten Arbeitsmodellen.

 

Karl-Heinz Hellinger von der Betriebsseelsorge Oberösterreich hebt die Ursachen und die Wirkungen von krankmachenden Arbeitsplätzen hervor. Das Beispiel burnout verdeutlicht, wie extrem die Lebenslage eines Menschen werden kann, wenn er keinen Weg aus dieser Situation findet. Beratung und Betreuung kann sehr wirksam sein. Aber die pers Karl-Heinz Hellinger 2012önliche Erkenntnis über das burnout und der Wunsch – dieses zu überwinden, sind oftmals Voraussetzungen für einen neuen Anfang. Es sei sehr wichtig, eine nachhaltige Kommunikation mit den Managementebenen zu führen, um gemeinsame Wege für bessere Arbeitsplätze zu finden. Alle Sozialpartner müssen sich an einem Tisch setzen.„Burnout ist kein Problem – sondern eine Kompetenz.“

 

Ralf Woelk Vorsitzender des DGB Region NRW Süd-West Aachen analysiert die Lage der Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber als zunehmend belastend. Die Unternehmer betreiben im Grunde einen Klassenkampf von Oben. Sie verstoßen regelmäßig und ungestraft gegen Ralf Woelk 2012zahlreiche Arbeitnehmer- und Mitbestimmungsgesetze, um vor allem in wirtschaftlichen Krisenzeiten einseitig ihre Vorteile zu vermehren. Die Situation der Menschen an den Arbeitsplätzen wird dadurch immer krankmachender. Auch die Lage der Gewerkschaften an sich ist schlechter geworden. In Deutschland sind zirka sechs bis sieben Millionen Menschen organisiert. Das sind fünfzig Prozent weniger als vor zwanzig Jahren. „Nur wer sich organisiert, kann die Gewerkschaften in die Lage versetzen, alle sozialen und rechtlichen Probleme positiv im Sinne der arbeitenden Menschen zu lösen“. Das schwächt die Kampfkraft der Arbeitnehmervertretungen. Auch im europäischen Ausland sieht die Lage der Gewerkschaften nicht besser aus. „Gut bezahlte Arbeit und gute Arbeitsplätze erhalten die Gesundheit.

 

Es wird die Frage nach neuen Sozialpartnern gestellt.

Der individuelle Weg ist ein möglicher, aber in den Industrienationen sehr schwer zu verwirklichen. Die Lebenssituation vieler Menschen ist zu abhängig, um Kraft für sinnvolle Alternativen bereitzustellen.

Gute Systeme müssen positiv genutzt werden.

Hilfe für mehr Menschlichkeit in der Arbeitswelt ist keine Einbahnstraße.

Zuerst sich selbst ändern, dann kann sich auch die Arbeitswelt ändern.

Wandel erkennen und begrüßen. Sensibel sein. Achtsamkeit gegenüber Natur und Mensch.

Betriebsleitungen und Management nicht ausschließen.

Arbeitssysteme sind komplexe Gebilde. Es braucht Zeit, um sie zu verstehen. Gewerkschaftliche Arbeit muss sich mehr an Themen orientieren.

 

 

Foto- und Textnachweis (von oben nach unten):

Text und Fotos: Axel Gauster  © 2012 Nell-Breuning-Haus / Axel Gauster

 

Karl Rabeder, Österreich

Leo Pauwels, EZA Niederlande

Trinidad Munoz-Villoria, asbl Luxembourg

Tetyana Lutsyk, Bistum Aachen Deutschland

Karl-Heinz Hellinger, Mensch und Arbeit/BSS Österreich

Ralf Woelk, DGB Deutschland

 

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