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Die Sendemanuskripte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen vom Empfänger ausschließlich zu rein privaten Zwecken genutzt werden. Jede Vervielfältigung, Verbreitung oder sonstige Nutzung, die über den in §§ 45 bis 63 Urheberrechtsgesetz geregelten Umfang hinausgeht, ist unzulässig.

© Axel Gauster/Nell-Breuning-Haus

 

... Interview Vesselin Mitov Radiofeature Sendemanuskript

... Interview Prälat Peter Kossen Radiofeature Sendemanuskript

... Interview Dr. Hildegard Hagemann Radiofeature Sendemanuskript

... Interview Catalina Guia Radiofeature Sendemanuskript

... Interview Justyna Oblacewicz Radiofeature Sendemanuskript

... Interview Ann-Katrin Steibert Radiofeature Sendemanuskript

... Interview Missionsschwester Svitlana und Johannes Eschweiler Radiofeature Sendemanuskript

 

 

 

 

Interview Vesselin Mitov

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Sende-Manuskript

Interview (Radiofeature) mit Vesselin Mitov

in Herzogenrath/Deutschland März 2019

 

 

O-Ton Vesselin Mitov

Der Hauptgrund für diese Situation ist das Entgelt, die Entgelthöhe in Bulgarien. Wir haben eine entsprechende Lohnpolitik in unserem Land. Sie wissen vielleicht, dass Bulgarien und Rumänien die Länder in der Europäischen Union mit dem geringsten Einkommen sind. Der monatliche Mindestlohn liegt bei ungefähr dreihundert Euro. Gleichzeitig haben wir ähnliche Lebenshaltungskosten wie sie hier in Deutschland. Sie können sich vorstellen, dass mit dieser Entgelthöhe ein normales Leben für den Arbeitnehmer selbst und seine Familie sehr sehr schwierig ist. Deswegen haben wir das Phänomen der so genannten ‚working poor‘, der Erwerbsarmut. Das heißt, es sind Menschen, die zwar in der Erwerbsarbeit sind, aber gleichzeitig ständig an der Armutsgrenze krebsen.

 

Sprecher

Sagt Vesselin Mitov von der bulgarischen Gewerkschaft Podkrepa aus Sofia. In seinem Bericht erzählt er über die Situation bulgarischer Wanderbeschäftige. Im Rahmen des Seminars ‚Wanderarbeit in Europa – eine besondere Herausforderung für

menschenwürdige Arbeit in ausgewählten Branchen‘ im März 2019 in Herzogenrath. Hauptveranstalter ist das Nell-Breuning-Haus. 25 TeilnehmerInnen aus Ukraine, Litauen, Estland, Deutschland, Portugal, Spanien, Bulgarien sammeln Informationen zum Status quo der Wanderarbeit in der Europäischen Union. Die eingeladenen Initiativen stellen ihre Arbeit zum Thema vor, tauschen ihre Erfahrungen aus und erarbeiten den Dialog mit weiteren Initiativen und Gewerkschaften in den Entsendeländern.

Die TeilnehmerInnen kommen aus Gewerkschaften und katholischen Einrichtungen der ArbeitnehmerInnenbewegung.

Der Anteil an WanderarbeiterInnen innerhalb der Beschäftigungsstrukturen in Europa nimmt beständig zu. Mittlerweile ist Wanderarbeit ein wichtiger Bestandteil in der Landwirtschaft, in der Nahrungsmittelindustrie und in der Pflegelandschaft in Westeuropa.

 

O-Ton Vesselin Mitov

Das ist aber nicht der einzige Grund. Geld ist nur eine Sache. Ein weiterer, wichtiger Grund sind die mangelnden Perspektiven. Die Menschen sehen für sich keine Perspektive für die Zukunft. Sie möchten die Aussicht haben, dass sie ihr Leben verbessern können. Das sie aus der Armut heraus kommen können. Das sie einmal normale Berufsaussichten haben können und ein normales, soziales Leben führen können. Jeder Mensch und sogar jedes Tier braucht eine Perspektive für die Zukunft. Und wenn man diese Perspektive nicht sieht, dann versuchen Menschen aus dieser Situation zu entkommen. Und sich eine andere Option suchen. Weitere Gründe sind die desolate Infrastruktur, die wir haben. Die hohe Korruption und die enorme Bürokratie. Ein weiterer Aspekt, der hinzu kommt, sind die ständigen, gesetzlichen Änderungen. Wir haben einen ständigen Wechsel bei den politischen Parteien, bei de Regierungsbildung. Die politischen Parteien, die ständig im Streit liegen. Und deshalb haben wir eine politische Instabilität.

 

Sprecher

Andererseits ist es doch für einen Staat sehr bequem, wenn zwei Millionen Menschen, die im Ausland arbeiten, ihr Geld nach Hause schicken. Dann braucht die Politik und die Wirtschaft nicht aktiv werden, um das eigene Land zu entwickeln. Gute Gesetze und Arbeitsschutzgesetze entwickeln zu können.

 

O-Ton Vesselin Mitov

Ich möchte zunächst einmal sagen, dass Arbeitsmobilität grundsätzlich eine positive Sache ist. Aber das Ergebnis muss man von Land zu Land unterschiedlich bewerten. In Bulgarien beispielsweise hat die Abwanderung von Arbeitskräften äußert negative Folgen. Aus der Sicht von Deutschland stellt sich die Sicht natürlich ganz anders dar. Für uns ergibt sich durch die Abwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften dass so genannte ‚brain drain‘. Wir haben insbesondere Menschen wie Unternehmer mit hohem Potential, die unser Land verlassen und im Ausland arbeiten. Das heißt, dass mein Land Millionen investieren muss, um Schulen und Universitäten vor zu halten, die die Menschen bis zum Berufsabschluss ausbildet, damit sie dann im Ausland leben. Das heißt wir haben eine Export hoch qualifizierter Arbeitskräfte, die für die aufnehmenden Staaten, wo die Menschen dann arbeiten, kostenlos sind. Der zweite Punkt ist, dass es nicht so einfach ist, diese Situation durch ein einziges Gesetz zu überwinden. Ich denke auch, dass die Regierung alleine dieses Problem nicht in den Griff bekommen kann. Sondern wir brauchen eine nationale Strategie, an der nicht nur die Regierung beteiligt ist, sondern auch die Sozialpartner, Nicht-Regierungsorganisationen und die ganze Gesellschaft.

 

Sprecher

Die Gewerkschaften in Bulgarien müssen sich verändern. Vesselin Mitov.

 

O-Ton Vesselin Mitov

Ich habe auch vorhin schon in meinem Vortrag gesagt, dass das ein Scheidepunkt, eine sehr wichtige Zeit für die Gewerkschaften ist. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren beobachten wir einen allgemeinen Trend des Mitgliederrückgangs. Das gilt nicht nur für Bulgarien, sondern ist insgesamt ein europäischer Trend. Da ist deswegen sehr bedeutend, weil Europa das Rückgrat der europäischen Gewerkschaftsbewegung ist. Ich habe beispielsweise im Jahre 2003 am Kongress des Europäischen Gewerkschaftsbundes teil genommen. Damals war der Slogan: ‚EGB – die Stimme von sechzig Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Europa‘. Heute, fünfzehn Jahre später, müsste der Slogan lauten: ‚Stimme von vierzig Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer‘. Ein Rückgang von ungefähr dreißig Prozent über einen Zeitraum von nur fünfzehn Jahren. Es gibt viele Veränderungen. Aber die erklären sich auch. Wir haben heute einen grundlegenden Wandel in der Arbeitswelt. Das Wesen der Arbeit verändert sind. Wir haben instabile Beschäftigungsverhältnisse. Wir haben immer mehr befristete und prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Und vor diesem Hintergrund müssen die Gewerkschaften sich anpassen. Wenn sie überleben wollen. Es ist eine Überlebensfrage. Die Gewerkschaftsbewegung gibt es seit einhundertfünfzig Jahren. Und wir durchleben jetzt sehr schwierige Zeiten. Aber in dieser Zeit sind sie für sehr viele Errungenschaften verantwortlich. Sie haben die Sozialversicherungen geschaffen. Die Rente. Alle Sozialleistungen, wie wir sie heute kennen. Eigentlich das, was wir gerne unter der Formel Europäisches Sozialmodell bezeichnen. Aber wenn die Gewerkschaften in der heutigen Zeit überleben wollen, müssen wir uns an die neuen Realitäten anpassen.

 

 

Interview Prälat Peter Kossen

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Sende-Manuskript

Interview (Radiofeature) mit Prälat Peter Kossen

in Herzogenrath/Deutschland März 2019

 

 

 

Sprecher

Die kürzeste Definition von Religion heißt ‚unterbrechen‘.

 

O-Ton Peter Kossen

Religion beleuchtet die Wirklichkeit noch einmal mit einer anderen Plausibilität. Auch die Wertefrage wird vielleicht gestellt und möglicherweise hier und da auch anders beantwortet, als sie so in einer Profitgesellschaft beantwortet wird. Und da tut es ganz gut, wenn Menschen auf dem Hintergrund zum Beispiel einer Religiösität noch einmal zu anderen Wertmaßstäben kommen. Und insofern ist Religion vielleicht eine Unerbrechung dessen, was sonst so plausibel ist. Und auch der Leistungsgesellschaft, die sonst so hin genommen wird.

 

Sprecher

Sagt Prälat Peter Kossen aus Longerich bei Münster. Er beschäftigt sich seit Jahren mit den Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie. Und nennt sie mafiös. Im Rahmen des Seminars ‚Wanderarbeit in Europa – eine besondere Herausforderung für

menschenwürdige Arbeit in ausgewählten Branchen‘ im März 2019 in Herzogenrath. Hauptveranstalter ist das Nell-Breuning-Haus. 25 TeilnehmerInnen aus Ukraine, Litauen, Estland, Deutschland, Portugal, Spanien, Bulgarien sammeln Informationen zum Status quo der Wanderarbeit in der Europäischen Union. Die eingeladenen Initiativen stellen ihre Arbeit zum Thema vor, tauschen ihre Erfahrungen aus und erarbeiten den Dialog mit weiteren Initiativen und Gewerkschaften in den Entsendeländern.

Die TeilnehmerInnen kommen, aus Gewerkschaften und katholischen Einrichtungen der ArbeitnehmerInnenbewegung.

Der Anteil an WanderarbeiterInnen innerhalb der Beschäftigungsstrukturen in Europa nimmt beständig zu. Mittlerweile ist Wanderarbeit ein wichtiger Bestandteil in der Landwirtschaft, in der Nahrungsmittelindustrie und in der Pflegelandschaft in Westeuropa.

 

Sprecher

Mafia. Ausbeutung. Moderne Sklaverei. Schuldsklaverei. Leibeigenschaft. Das klingt wie aus dem antiken Rom.

 

O-Ton Peter Kossen

Ich habe das selbst auch gar nicht für möglich gehalten. Als ich mit den ersten Phänomenen konfrontiert wurde, dass war etwa im Frühjahr, Sommer 2012, da habe ich gedacht: ‚Das, was du hier jetzt hörst, was dir hier geschildert wird, das kennst du eigentlich aus dem Geschichtsunterricht. So industrielle Revolution. Vor zweihundert Jahren. Gut zweihundert Jahren‘. Ich musste dann aber zur Kenntnis nehmen, dass das tatsächlich ein Teil unserer Wirklichkeit ist. Es ist heute noch so, dass Menschen das mir schlichtweg nicht glauben. Weil sie sagen, dass geht in einem sozialen Rechtsstaat nicht. In einer sozialen Marktwirtschaft darf es das einfach nicht geben. Und es funktioniert oder es kann es das geben, weil es im Graubereich geschieht. Am Rand der Gesellschaft. An Menschen, die marginalisiert sind und die auch nicht im Fokus stehen. Und daher ist es tatsächlich ein Teil der Wirklichkeit. Es passt eigentlich nicht zu unseren Rechtsstaat. Und trotzdem tun sich hier Bereiche auf, manchmal sind sie zugelassen, manchmal sind sie bewusst, gewollt, um hier prekäre Beschäftigung, Ausbeutung auch ausnutzen zu können. Von interessierter Seite.

 

Sprecher

Ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag von Wanderbeschäftigen aus der Lebensmittelbranche.

 

O-Ton Peter Kossen

Ein Beispiel ist sicherlich eins aus der Schlacht- und Zerlegeindustrie. Schweinefleisch, Rindfleisch oder auch Geflügel. Leute arbeiten zu sehr schweren Konditionen, körperlich sehr anstrengend, oft nachts auch. Dazu kommt aber der psychische Druck, der ausgeübt wird. Zum Beispiel dadurch, dass Arbeitsmigranten das Wort in unserer Sprache, als erstes Wort ‚schneller‘ lernen. Also ständig unter Druck noch schneller zu arbeiten. Dann das Gefühl, die Erfahrung, abhängig zu sein vom Wohlwollen eines Vorarbeiters. Zu wissen, ich darf eigentlich nicht krank feiern. Ein Druckszenario, das dadurch noch potenziert wird, dass Leute nicht selten,Arbeitsmigranten, bei demjenigen wohnen, bei dem sie auch arbeiten. Wenn man das dann wohnen nennen will. Bei oft sehr schwierigen, prekären, unhygienischen Wohnverhältnissen. So das auch ein Regenerationsraum fehlt. Im wörtlichen und übertragenen Sinne sind viele Arbeitsmigranten nicht in der Lage, sich auszuruhen, keine Intimsphäre haben, weil sie mit vier Leuten oder mehr auf einem Zimmer wohnen. Da gibt es natürlich auch Alkohol- und Drogenmissbrauch. Manchmal Prostitution. Dazu kommt, dass bei der Arbeit Arbeitsschutzvorkehrungen, die jeder von uns für sich in Anspruch nehmen würde, schlichtweg nicht eingehalten werden. Es gibt viele Verletzungen bei den Fleischzerlegern. Schnittverletzungen, auch gravierende. Weil es offensichtlich keine funktionierende Berufsgenossenschaft dort gibt. Dazu kommt, dass Leute so wenig Geld verdienen, dass sie bei den Discountern einfachste Lebensmittel einkaufen und dadurch einfach auch nicht die Konstitution haben, durch Ernährung, durch Ruhe und so. Mein Bruder erzählt, dass ihm das oft begegnet. Das Leute in seine Praxis kommen. Er sie auf Mitte Fünfzig schätzt, sie aber faktisch erst Mitte Zwanzig sind. Also ein vorzeitiges Altern, was bedingt ist durch diese Lebensbedingungen. Also insgesamt ein Lebens- und Arbeitsrahmen, der Menschen physisch und psychisch verschleißt.

 

Sprecher

Fünf Rollen Klopapier sind günstiger als ein Kilogramm Fleisch.

 

O-Ton Peter Kossen

Fleisch ist Fleisch. Da weise ich auf den Menschenhandel hin. Speziell auch auf den Frauenhandel. Das ist ein ganz hässliches Nebenprodukt in Anführungsstrichen in dieser gelenkten Arbeitsmigration, die sich manchmal als Menschenhandel darstellt. Nicht selten sind es die gleichen Leute, die die Billiglöhner in die Fleischfabriken schleusen, die Frauen auf den Strich bringen. Ich bin sicher, dass ein Großteil der Frauen und Mädchen, manchmal Analphabetinnen, die sich hier wieder finden, schlussendlich auf dem Straßenstrich, dass die nicht nach Deutschland gekommen sind, um hier auf den Strich zu gehen. Aber es ist so, dass viele von ihnen dann hier zur Prostitution gezwungen werden. Und das, zynisch betrachtet, ist eine Art von Fleischhandel. Der sich abhebt vom tierischen Fleischhandel dadurch, dass der Tierhandel noch stärker reguliert ist. Da zeigt sich eine ganz dunkle Seite eben dieser Art von Migration und auch von Menschenhandel. Eine ganz brutale Seite mit Menschen umzugehen.

 

Sprecher

Sie haben davon gesprochen, dass es eine überregionale oder einheitliche Arbeitskontrollbehörde geben sollte. Würde so etwas denn helfen?

 

O-Ton Peter Kossen

Es scheint jetzt auf EU-Ebene begonnen worden zu sein ausgehend vom EU-Parlament, dass man sich um eine europäische Arbeitsinspektion bemüht. Es gibt tatsächlich in einer ganzen Reihe von EU-Ländern eine stärker ausgeprägte Arbeitsinspektion. Es gibt bei uns ja auch zuständige Behörden. Aber deren Kompetenz und deren Durchgriffsrecht ist sehr stark zersplittert. Das bietet wiederum die Möglichkeit von andere Seite die eine Behörde gegen die andere auszuspielen. Oder Länderbehörden sind am Ende ihrer Zuständigkeit, wenn die Landesgrenze erreicht ist. Und da braucht es in Deutschland einfach eine stärkere Bündelung von Zuständigkeiten. Bis dahin, dass eine Behörde auch einmal einen Betrieb sanktionieren kann. Das eine Behörde einen Betrieb auch einfach einmal still legen kann. So lange, bis die Dinge geordnet und geregelt sind oder nachgeprüft sind. Das ist in Deutschland alles nicht möglich. Faktisch ist es so, dass an der Hygieneschleuse einer Großschlachterei der Rechtsstaat am Ende seiner Möglichkeiten ist. Wenn dort eben der ganze Hygienedurchgang durchlaufen werden muss, was in der Sache richtig ist, kommt zum Schluss dabei heraus, dass man nicht effektiv und kurzfristig, unangemeldet überprüfen kann in einem Betrieb. Und das wird ausgenutzt auf der anderen Seite.

 

Sprecher

Christen beuten Christen aus. Wie kommt das eigentlich an?

 

O-Ton Peter Kossen

Das macht Christen sehr unglaubwürdig. Und das macht auch die Kirche unglaubwürdig, wo sie nicht dafür eintritt, dass Gerechtigkeit geschieht. Mir scheint es manchmal wie ein blinder Fleck zu sein. Das wird gerne ausgeblendet. Das Menschen, Arbeitsmigranten, hier in einem doch von den Wurzeln her doch christlichen Land auf diese brutale Art und Weise ausgebeutet werden ohne Not. Es gibt dafür keinerlei sachliche Notwendigkeit, dass Menschen, Arbeitsmigranten, hier unter diesen Bedingungen leben und arbeiten müssen. Einfach weil es legal ist oder weil es möglich ist, tut man es. Das macht tatsächlich Christentum, auch Kirche in unserer Gesellschaft unglaubwürdig. Jedenfalls bis dahin, wo sich nicht aktiv dagegen engagiert, um das abzustellen.

 

Sprecher

Sie haben auch erwähnt, dass sich die christlichen Kirchen fragen müssen, wie sie damit umgehen, denn sie betreiben ja auch Krankenhäuser und Pflegestationen.

 

O-Ton Peter Kossen

Und das ist oft schwierig genug. Weil die Pflege, auch die Altenpflege zum Teil schlecht refinanziert ist. Und so ein Haus dann zu betreiben, ist eine riesen Herausforderung wirtschaftlich betrachtet. Es gibt aber auch die guten Beispiele, die bewusst sagen: ‚Wir sourcen nicht aus; wir halten uns an den verbindlichen Tarif‘. Und die trotzdem zurecht kommen. Also manchmal habe ich den Eindruck, übernehmen wir als christliche Arbeitgeber zu leicht diese Plausibilitäten, die in der Wirtschaft gelten, nämlich das man am Besten beim Personal spart. Und das man am Besten dadurch spart, dass man sich das Personal entledigt. Oder zumindest sich der Verantwortung für das Personal entledigt. Und da braucht es manchmal etwas mehr Nachdenken. Es scheint möglich zu sein, auch zum Beispiel für kirchliche Bildungshäuser, das sie fair, regional, bio einkaufen können. Das ist teurer, natürlich. Weil auch mehr Qualität geliefert wird. Aber ich bin sicher, dass das auch belohnt wird wieder auf der anderen Seite von denen, die solche Häuser nutzen. Ich halte es nach wie vor möglich und auch für eine Frage der Verantwortung, ob die Kirchen hier in unserer Gesellschaft ihrer Beispielfunktion nachkommen.

 

Sprecher

Braucht es in Deutschland eine Art lateinamerikanische Befreiungskirche?.

 

O-Ton Peter Kossen

Politik und christliche Verkündigung gehen immer mit einander einher. Und deswegen darf sich christliche Verkündigung und kirchliches Tun nicht davor scheuen, Politik zu machen. Sicher immer auf die Gefahr hin, dass man sich hinterfragen lassen muss zum eigenen Handeln, zur eigenen Praxis. Der Gedanke ist in unseren Land noch den Kirchen nicht so vertraut, dass wir aktiver als bisher in gesellschaftliches, wirtschaftliches Handeln auch hinein sprechen und hinein handeln. Also da ist das Beispiel aus Lateinamerika gar nicht schlecht. Also tatsächlich anwaltschaftlich einzutreten für die, die keine Lobby haben. Fr die Schwächeren. Das ist ein Teil unserer Kernkompetenz. Und da müssen wir auch den Mut haben in unserer Gesellschaft, auch auf die Gefahr hin, dass wir Entscheidern, vielleicht auch Unternehmern, manchmal zu Nahe treten. Das wir Leuten auf die Füße treten. Das wir uns unbeliebt machen. Auf diese Gefahr hin müssen wir uns da tatsächlich profilieren. Und zwar profilieren nicht für uns, sondern für die Menschen, die sonst keine Fürsprecher haben. Da wünschte ich mir tatsächlich eine deutliche profiliertere Kirche, die auch bereit ist, auf Vorteile in unserer Gesellschaft zu verzichten. Sie zu riskieren. Aber auch weiß, wofür sie das dann tut, nämlich für sehr konkrete Menschen. Das erhoffe ich mir. Und das fordere ich von meiner Kirche auch ein.

 

Interview Dr. Hildegard Hagemann

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© Axel Gauster/Nell-Breuning-Haus

 

 

Sende-Manuskript

Interview (Radiofeature) mit Dr. Hildegard Hagemann

in Herzogenrath/Deutschland März 2019

 

 

 

 

O-Ton Dr. Hildegard Hagemann

Justitia et Pax ist eine Einrichtung der katholischen Kirche. Wir sind getragen von der deutschen Bischofskonferenz aber auch vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Und wir gehen zurück auf die Enzyklika ‚populorum progressio ‘ von Papst Paul VI. 1967 ist die veröffentlicht worden. Wo es darum ging, Strukturen für Gerechtigkeit und Frieden auch in der katholischen Kirche auf zu bauen. Unsere Hauptaugenmerke liegen auf den Fragen von Frieden und Versöhnung, von Menschenrechten und eben auch Entwicklungspolitik, integrale Entwicklung, ganzheitliche Entwicklung des Menschen.

 

Sprecher

Sagt Dr. Hildegard Hagemann von der Justitia et Pax aus Berlin. In ihrem Vortrag stellt ‚Migration und Wanderarbeit‘ nimmt sie Stellung zur europäischen Mobilitätspolitik. Im Rahmen des Seminars ‚Wanderarbeit in Europa – eine besondere Herausforderung für

menschenwürdige Arbeit in ausgewählten Branchen‘ im März 2019 in Herzogenrath. Hauptveranstalter ist das Nell-Breuning-Haus. 25 TeilnehmerInnen aus Ukraine, Litauen, Estland, Deutschland, Portugal, Spanien, Bulgarien sammeln Informationen zum Status quo der Wanderarbeit in der Europäischen Union. Die eingeladenen Initiativen stellen ihre Arbeit zum Thema vor, tauschen ihre Erfahrungen aus und erarbeiten den Dialog mit weiteren Initiativen und Gewerkschaften in den Entsendeländern.

Die TeilnehmerInnen kommen aus Gewerkschaften und katholischen Einrichtungen der ArbeitnehmerInnenbewegung.

Der Anteil an WanderarbeiterInnen innerhalb der Beschäftigungsstrukturen in Europa nimmt beständig zu. Mittlerweile ist Wanderarbeit ein wichtiger Bestandteil in der Landwirtschaft, in der Nahrungsmittelindustrie und in der Pflegelandschaft in Westeuropa.

 

Sprecher

Wie sieht denn die deutsche Kommissionsarbeit von Justitia et Pax aus?

 

O-Ton Dr. Hildegard Hagemann

Die Kommission setzt sich zusammen aus dreißig Organisationen und Persönlichkeiten. Unter anderem sind da auch die kirchlichen Hilfswerke drin. Also Missio, Misereor, Renovabis, Advenia ezetera. Dann sind da Einzelpersönlichkeiten aus den Diözesanräten drin. Aber auch dann Verbände. Zum Beispiel Kolping International, die katholische Landvolkbewegung, die katholische Frauenorganisation KFD, Pax Christi ezetera ezetera. In der Kommission wird beschlossen, wie man in Arbeitsstrukturen weiter arbeitet. Und hier,in unseren Arbeitsstrukturen, in unseren Arbeitsgruppen arbeiten wir dann auch wieder mit Anderen, auch mit anderen gesellschaftlichen Akteuren. Zum Beispiel eben mit den Gewerkschaften. Aber eben auch mit friedenspolitischen Einrichtungen, mit wissenschaftlichen Einrichtungen ezetera.

 

Sprecher

Mit welchen Hauptzielen?

 

O-Ton Dr. Hildegard Hagemann

Im Sachbereich Entwicklung ist das Hauptziel tatsächlich eine armen-orientierte Politik in der Entwicklungszusammenarbeit, in der Entwicklungspolitik zu erreichen. Hier gehen wir davon aus, dass viele Menschen, die noch in Armut sind, also weltweit sind es noch etwa achthundert dreißig Millionen, die unter extremer Armut leiden. Aber es gibt auch sehr viele, nämlich zwei Milliarden, die also tatsächlich nicht mit ihrem Einkommen über die Runden kommen. Und hier gehen wir davon aus, dass alle Menschen eben versuchen, durch Arbeit ihr Einkommen zu erwirtschaften. Ihr Überleben zu sichern. Diese Arbeit findet oft statt unter menschenunwürdigen Bedingungen. Und so ist unser Ziel, hier Bewusstsein einerseits zu schaffen, aber auch die Rechte von diesen Menschen zu stärken. Die in der informellen Wirtschaft arbeiten. Die diskriminiert werden. Die Randgruppen darstellen. Um die also auch wirklich rein zu holen in den Blick.

 

Sprecher

Nun wird ja in dem Medien nicht oft ein Unterschied gemacht zwischen Migration und Arbeitsmigration. Warum wird der Unterschied nicht so oft gemacht?

 

O-Ton Dr. Hildegard Hagemann

Ja. Das ist eine gute Frage. Tatsächlich läuft alles in einen Topf. Aber man kann auch sagen Arbeit ist so zu sagen die Klammer. Also viele Menschen werden eben durch Krisen, durch menschengemachte Krisen vertrieben. Durch Kriege und Konflikte. Und die brauchen Asyl. Die brauchen auch persönliches, individuelles Asyl vor Verfolgung in ihren Heimatländern. Und auch diese Menschen sind am Besten aufzufangen und sie können am Besten Perspektiven entwickeln, wenn sie schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden. Und über Arbeit eben wieder ein Selbstbewusstsein entwickeln können. Sich wieder eine Zukunft aufbauen können. Auf der anderen Seite gibt es immer Menschen, die aus eigenem Suchen nach Perspektive sich eben auf den Weg machen und auch wirklich bewusst eigentlich nur arbeiten wollen. Und nicht unbedingt verfolgt sind. Und da tut sich gerade die Europäische Union eben auch schwer, hier zu unterscheiden oder anzuerkennen, dass es tatsächlich auch Menschen gibt, die einfach nur regulär in den europäischen Ländern ihr Einkommen erwirtschaften wollen. Und eventuell auch wieder zurück gehen wollen. Aber sich vielleicht auch langjährig niederlassen wollen. Und hier war immer die Gefahr. Dieses langjährige Niederlassen als Grund für eine Abschottungspolitik. Andererseits hat jedes EU-Land natürlich die Genfer Konvention unterschrieben und Asylrecht steht oben an. Aber eben diese Differenzierung vor zu nehmen. Die war eben auch lange Zeit so zu sagen nicht so nötig. Weil eben auch genügend Arbeitskräfte zunächst einmal da waren. Oder bewusst, sagen wir einmal, nach dem Krieg Gastarbeiter eingeladen wurden, wo aber dann eben auch ja kein Niederlassen erwünscht war, sondern nur Arbeit und dann wieder zurück zu gehen.

 

Sprecher

Stockholmer Programm. Die UN-Wanderbeiterkonvention, Hausangestelltenkonvention. Aber es hält sich niemand daran. Oder?

 

O-Ton Dr. Hildegard Hagemann

Sagen wir einmal die Richtlinien im Stockholmer Programm sind ja auch nur für einzelne Sektoren. Also Saisonarbeit – und es hilft der Landwirtschaft oder auch nicht. Oder eben dann – es hilft den Unternehmen. Die anderen Konventionen, also die internationalen Abkommen, da ist es eben wichtig, dass die eben nicht nur reine internationale Abkommen bleiben, sondern wirklich in nationales Recht umgewandelt werden. Durch die Ratifizierungen. Und da ist eben die Motivation für einen Mitgliedsstaat oder überhaupt für einen Staat sehr unterschiedlich. Ob man eben eine Konvention ratifizieren will oder nicht. Die UN-Wanderarbeiterkonvention ist bisher eben nur von achtundvierzig Ländern in den letzten fünfundzwanzig, siebenundzwanzig Jahren ratifiziert worden. Das waren überwiegend Länder, die eigene Leute hinaus schicken in die Welt zum Arbeiten. Zum Beispiel die Philippinen in Mexiko ezetera. Und alle Diejenigen, die Aufnahmeländer sind, die möchten nicht ratifizieren, weil sie eben Sorge haben, dass der Zugang oder die Dinge, die in der Konvention eben fest gelegt werden, sozialen Unfrieden so zu sagen in ihren eigenen Gesellschaften erwirken. Dadurch, dass eben Gewerkschaften aufstehen und sagen: ‘O Gott, die Menschen kommen hier her und nehmen uns die Arbeitsplätze weg‘. Oder: ‚Da kommen Leute, die einfach unsere Sozialversicherungssysteme sprengen‘. Also die Motivationslage der Ratifizierung ist da eben sehr unterschiedlich.

 

Sprecher

Fünfzig Prozent arbeiten weltweit in informellen Arbeitsverhältnissen plus working poor. Was heißt das?

 

O-Ton Dr. Hildegard Hagemann

Fünfzig Prozent. Da geht man davon aus, dass Menschen informell arbeiten. Das heißt in allen möglichen Sektoren wirtschaftlich. Also in Heimarbeit arbeiten, irgendwelche kleinen Accessoires auf Kleidungsstücke nähen. Oder Straßenverkäufer oder im Transportsystem und so weiter. Aber sie sind alle nicht wirklich registriert als Unternehmen. Sie sind ungesichert. Also sie arbeiten von jetzt auf gleich und so weiter. Und sie sind vor allen Dingen auch nicht organisiert. Teilweise arbeiten sie in Sektoren, die auch sehr schwer zu erreichen sind von Gewerkschaften, damit die Menschen dann organisiert werden. Und die working poor, das ist so eine Mischung auch. Selbst Menschen, die eben nur ab und an eben einmal arbeiten aber dann den ganzen Tag dann unterwegs sind, erwirtschaften dann vielleicht ein Einkommen, dass eben nicht an ein Existenzminimum heran reicht. Aber letztlich sind sie doch so arbeitsmäßig beschäftigt, dass sie also keine Zeit haben, jetzt meinetwegen noch Subsistenzlandwirtschaft zu machen, weil sie ihre Arbeitskraft tatsächlich verkaufen, aber eben zu wenig dafür bekommen.

 

Sprecher

Die EU-Weisen.

 

O-Ton Dr. Hildegard Hagemann

Das ist tatsächlich ein Begriff, der aufgekommen ist, weil eben sehr viele Mütter und Väter aus der Ukraine, aus den östlichen Ländern eben hier in der Landwirtschaft in die westlichen Länder kommen. Zwar sehr viele Rücküberweisungen erwirtschaften und zurücksenden zu ihren Familien, aber die Kinder, die sie hinterlassen tatsächlich Weisen sind, weil sie eben ihre Eltern tatsächlich lange Zeit nicht zu Gesicht bekommen. Der vielleicht nur digital kommunizieren können. Erzogen werden von Familienmitgliedern, Tanten, Onkel, Großeltern ezetera. Oder sogar noch von Hausangestellten. Ja. Aber sie haben genügend Geld. Weil sie eben die Rücküberweisungen der Eltern genießen können. Sie haben auch Möglichkeiten, vernünftig Gesundheitsvorsorge zu haben oder Bildungseinrichtungen besuchen zu können. Aber letztlich drückt ja das Wort Weise aus, dass ihnen doch etwas fehlt. Nämlich die direkte Beziehung zu ihren Eltern. Die Pflege, die Sorge, die da eben nötig ist, um Kinder zu erziehen.

 

Sprecher

Gibt es eigentlich deutsche Wanderarbeiter?

 

O-Ton Dr. Hildegard Hagemann

Also ich weiß, dass die Zahl zunimmt. Das eben auch die Deutschen – natürlich würden die eher unter diesen – was hier auch genannt wurde – high potentials – also in hoch qualifizierten Arbeitsfeldern dann eben sind. Es gibt Ärzte, die gerne woanders arbeiten, weil da die Arbeitsbedingungen besser sind. Statistiken gibt es bestimmt auch. Aber ich habe jetzt so keine Zahlen. Ich weiß nur – dass es zunimmt. Natürlich auch Abenteurer und so weiter, die sich irgendwo, auch in den skandinavischen Ländern eben eine neue Existenz aufbauen, weil da die Gehälter besser sind. Sie haben halt alle das Privileg – mit einem deutschen Pass kann man sich eigentlich überall niederlassen. Und hat keine dramatischen Beschränkungen zu erleiden wegen Visumsbeschränkungen und so weiter.

 

Sprecher

Wir sind hier ja im christlichen Abendland. Christen beuten Christen aus. Das kommt ja nicht gut an.

 

O-Ton Dr. Hildegard Hagemann

Nein. Das kommt überhaupt nicht gut an. Und da kann ich ein wunderbares Beispiel geben. Gerade auch im Zusammenhang mit den Hausangestellten. In Singapur gibt es sehr viele Hausangestellte aus den Philippinen. Zum Beispiel die eben katholisch sind, genauso wie katholische Arbeitgeberinnen und Arbeitgeberfamilien. Und die Caritas Singapur hat sehr früh schon vor zehn Jahren einmal entwickelt, also so ethische Orientierungen gegeben für Arbeitgeber*innen, wie mit Hausangestellten aus der der katholischen Überzeugung, aus der Soziallehre heraus, eben umgegangen werden soll. Genau unter diesem Aspekt: Wir sind in einer Gemeinde, wir haben den gleichen Glauben, wir sitzen im Gottesdienst neben einander. Aber eben im Alltäglichen haben wir eine Arbeitsbeziehung. Und wenn wir jetzt als Arbeitgeber unsere Hausangestellten eben schlecht behandeln, zeigt das eben, dass wir unsere katholische Soziallehre, so zu sagen, eben nicht verstanden haben. Und das ist genau die Sachen. Wir müssten mehr Bewusstsein schaffen eben auch für Arbeitgeber, Unternehmen, was katholische Soziallehre meint in Bezug auf Menschenwürde, menschenwürdige Arbeit, den Wert der Arbeit, der menschlichen Arbeit im Verhältnis von Privatsektoren und Arbeitenden.

 

Interview Catalina Guia

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Sende-Manuskript

Interview (Radiofeature) mit Catalina Guia

in Herzogenrath/Deutschland März 2019

 

 

 

Sprecher

Arbeit und Leben. Was ist das?

 

O-Ton Catalina Guia

Arbeit und Leben ist eine gewerkschaftliche Einrichtung zwischen DGB und VHS. Und es werden Seminare abgehalten und für die Betriebsräte Fortbildungen zu organisieren. Im Rahmen dieser Initiative werden viele Projekte organisiert. Unter anderem gibt es auch unser Projekt 'Arbeitnehmrfreizügigkeit fair gestalten'. Vom Ministerium und dem Europäischen Sozialfond finanziert. Dazu auch mit politischer und inhaltlicher Unterstützung von den Gewerkschaften.

 

Sprecher

Sagt Catalina Guia von der Initiative ‚Arbeit und Leben‘ DGB/VHS aus Düsseldorf. In ihrem Vortrag stellt sie diese Initiative vor. Im Rahmen des Seminars ‚Wanderarbeit in Europa – eine besondere Herausforderung für

menschenwürdige Arbeit in ausgewählten Branchen‘ im März 2019 in Herzogenrath. Hauptveranstalter ist das Nell-Breuning-Haus. 25 TeilnehmerInnen aus Ukraine, Litauen, Estland, Deutschland, Portugal, Spanien, Bulgarien sammeln Informationen zum Status quo der Wanderarbeit in der Europäischen Union. Die eingeladenen Initiativen stellen ihre Arbeit zum Thema vor, tauschen ihre Erfahrungen aus und erarbeiten den Dialog mit weiteren Initiativen und Gewerkschaften in den Entsendeländern.

Die TeilnehmerInnen kommen aus Gewerkschaften und katholischen Einrichtungen der ArbeitnehmerInnenbewegung.

Der Anteil an WanderarbeiterInnen innerhalb der Beschäftigungsstrukturen in Europa nimmt beständig zu. Mittlerweile ist Wanderarbeit ein wichtiger Bestandteil in der Landwirtschaft, in der Nahrungsmittelindustrie und in der Pflegelandschaft in Westeuropa.

 

Sprecher

Die Entsenderichtlinie. Die ja diese krassen Fälle eigentlich verhindern soll. Zumindest was den Lohn angeht. Irgendwie wird das nicht richtig kontrolliert. Oder?

 

 

O-Ton Catalina Guia

Entsendung war eine der Hauptfolgen, durch die die mobilen Beschäftigen nach Deutschland kamen. Zumindest in der Vergangenheit. Mittlerweile, mit viel Einsatz und ‚Druck ausüben‘ seitens der Gewerkschaften, ehrenamtlicher Initiativen und mit der Hilfe von Beratungsprojekten ist es weniger in der Fleischbranche, Fleischindustrie anzutreffen. Da ist es jetzt nicht mehr als Präferenz anzusehen. Die Entsendung bleibt allerdings für andere Branchen, andere Industrien eine aktive Form, bevorzuge Form. Unter anderem kann ich dazu nennen die LKW-Fahrer, die aus dem Ausland hierher nach Deutschland fahren oder transitieren. Leider wird das nicht kontrolliert, überwacht. Trotz Gesetz. Weil die Arbeitgeber selbst sie nicht informieren. Es spielt eine wichtige Rolle, dass sie rechtzeitig informiert werden. Das sie Kraft des Gesetzes Rechte haben auf Mindestlohn oder den Unterschied zwischen Mindestlohn und Heimatlohn durch zu setzen.

 

Sprecher

Hilft es den Menschen, ein bisschen mehr Mut zu fassen, wenn sie zu ihnen kommen?

 

O-Ton Catalina Guia

Mit der Hilfe unserer Beratung haben wir in erster Linie dabei geholfen, für die Ratsuchenden die Löhne oder die allgemeinen Arbeitsrechte durch zu setzen. Außerdem haben wir dabei geholfen und ihnen vermittelt, mehr Mut zu haben und wahr zu nehmen, wenn der Arbeitgeber Druck ausgeübt wird, wenn er sagt, dass sie nichts Wert sind, dass sie einfach keine Chance haben mit diesem Status als Migranten oder als Ausländer. Und infolge der Beratung haben wir sie motiviert, auf die sichere Seite zu gehen. Weil wir auch präventiv oder prophylaktisch wirken. Mit Info-Veranstaltungen außerhalb der Beratung, aber auch innerhalb der Beratungsarbeit. Mit einer wesentlichen Erklärung der Grundrechte, Arbeitsrechte. Damit schon ein Image und eine Sicherheit entsteht, um sich anders dar zu stellen. In der Zukunft vorsichtiger mit Arbeitgebern und einem Arbeitsverhältnis um zu gehen. Auch bestimmte Maßnahmen zu unternehmen, damit sie besser dargestellt werden. Und damit sie dieser Ausbeutung vorbeugen können.

 

Sprecher

Die Hilfe in den Beratungsstellen sind ganz unterschiedlich. Aber vor allem geht es auch um Sprachkenntnisse und Texte, die dann besser verstanden werden.

 

O-Ton Catalina Guia

Präventive Maßnahmen wie zum Beispiel aufgrund der nicht verstandenen Sprache sich nicht einfach dazu hinreißen lassen, Dinge zu unterschreiben, die sie nicht verstehen. Zum Beispiel ein Gewerbe ins Leben rufen, ohne zu wissen, was da im Formular steht und auch unter Anwesenheit Dritter nicht einfach einen fiktiven Arbeitsvertrag zu unterschreiben, wenn sie ihn nicht verstehen. Besser ist es, diese Unterlagen erst einmal überprüfen zu lassen. Oder dolmetschen lassen. Und danach unterschreiben. Darüber hinaus geht es um Arbeitsaufzeichnungen, die Stundenzettel selbst erstellen. Und immer wieder vorsichtig sein mit dieser Arbeitszeit und keine Blankozeiten unterschreiben. Denn danach ist es ganz kompliziert zu beweisen, dass sie einen anderen Einsatz hatten. Außerdem immer nachfragen, sich immer interessieren und auf die sichere Seite gehen. Und immer im Hinterkopf behalten, dass sie unterstützt werden und nicht alleine sind.

 

Interview Justyna Oblacewicz

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© Axel Gauster/Nell-Breuning-Haus

 

 

Sende-Manuskript

Interview (Radiofeature) mit Justyna Oblacewicz

in Herzogenrath/Deutschland März 2019

 

 

 

 

O-Ton Justyna Oblacewicz

'Fair Mobility' existiert seit 2011. Letztlich bietet es arbeits- und sozialrechtliche für Beschäftige aus Mittel- und Osteuropa, die im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit hier in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt sich betätigen. Und die dann eben Probleme mit ihrem Arbeitgeber bekommen. In der Regel geht es dann darum, dass der Lohn nicht gezahlt wurde oder das eine ungerechtfertigte Kündigung ausgesprochen wurde.

 

Sprecher

Sagt Justyna Oblacewicz vom Projekt Management ‚Fair Mobility‘ Bundesvorstand DGB Berlin. In ihrem Vortrag stellt sie diese Initiative vor. Im Rahmen des Seminars ‚Wanderarbeit in Europa – eine besondere Herausforderung für

menschenwürdige Arbeit in ausgewählten Branchen‘ im März 2019 in Herzogenrath. Hauptveranstalter ist das Nell-Breuning-Haus. 25 TeilnehmerInnen aus Ukraine, Litauen, Estland, Deutschland, Portugal, Spanien, Bulgarien sammeln Informationen zum Status quo der Wanderarbeit in der Europäischen Union. Die eingeladenen Initiativen stellen ihre Arbeit zum Thema vor, tauschen ihre Erfahrungen aus und erarbeiten den Dialog mit weiteren Initiativen und Gewerkschaften in den Entsendeländern.

Die TeilnehmerInnen kommen, aus Gewerkschaften und katholischen Einrichtungen der ArbeitnehmerInnenbewegung.

Der Anteil an WanderarbeiterInnen innerhalb der Beschäftigungsstrukturen in Europa nimmt beständig zu. Mittlerweile ist Wanderarbeit ein wichtiger Bestandteil in der Landwirtschaft, in der Nahrungsmittelindustrie und in der Pflegelandschaft in Westeuropa.

 

Sprecher

Die Menschen, die dort arbeiten, werden nach ihrer Arbeit, nach achtzehn Monaten, wenn sie nicht mehr können, weg sortiert ...

 

O-Ton Justyna Oblacewicz

Da habe ich mich angelehnt an Prälat Peter Kossen, der mit uns sehr eng zusammen arbeitet in Bezug auf die Fleischindustrie. Was wir da auf jeden Fall beobachten ist, die Menschen arbeiten da unter schwersten Bedingungen. Es ist kalt in den Hallen, in denen sie sind. Sie machen ihre Arbeit zehn oder mehr Stunden pro Tag. Und wenn man sich jetzt vorstellt, dass das mehrere Jahre so gemacht wird tagein, tagaus mit wöchentlichen Wechselschichten, dann sehen wir, dass es die Menschen krank und kaputt macht. Und das System in der Fleischbranche, das auf Werkverträgen basiert, wie ich ja Eingangs erwähnt hatte, der Hauptauftraggeber, wenn sie so wollen, die Verantwortung an die Subunternehmen abgibt, führt dann auch dazu, dass auch die Subunternehmen sich nicht um die Leute kümmern. Denn sie holen sich dann eben Ersatz aus anderen Ländern. Oder es werden eben Leute kommen. Es gibt einfach genug Menschen, die auf der Suche nach besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen sind, als diese in ihren Herkunftsländern vorherrschen. Und dann landen sie eben in diesen Beschäftigungsverhältnissen.

 

Sprecher

Wie muss ich mir so einen Anwerbeprozess – in Anführungsstriche – vorstellen?

 

O-Ton Justyna Oblacewicz

Also wir haben jetzt in die konkrete Ausgestaltung dieses Prozesses tatsächlich keine Einblicke. Aber was uns die Leute berichtet haben ist, was sie im Internet tatsächlich finden, sind Annoncen oder Anzeigen, die auch in den Communities, in Facebookgruppen geschaltet werden. Wo dann eben Versprechungen gemacht werden von ganz bestimmten Lohnhöhen und auch ganz bestimmten Lohnbedingungen. Und daraufhin die Leute sich bei einer Person melden, die ihre Sprache spricht, und diese Person dann gegen eine Gebühr den Transport nach Deutschland organisiert. Und erst vor Ort, wenn die Leute hierher gekommen sind, werden sie dann quasi vor vollendete Tatsachen gestellt. Es zeigt sich dann, dass die Wohnbedingungen nicht dem entsprechen, was ihnen versprochen wurde und der im Vertrag fest gehaltene Lohn weitaus unter dem liegt, was ihnen vorher gesagt wurde. Was sie bekommen würden für diese Arbeit.

 

Sprecher

Wir haben hier ja den Mindestlohn Sie haben gesagt: ‚Das ist Lohnraub‘.

 

O-Ton Justyna Oblacewicz

Wenn der Arbeitgeber mir mindestens den Mindestlohn schuldet und selbst dafür Strategien entwickelt hat, wie er das unterläuft, sei es eben durch die Nichtbezahlung des Entgeltes bei Krankheit oder sei es durch die Nichtgewährung von bezahltem Urlaub oder auch einfach die Tatsache, dass Überstunden nicht bezahlt werden, dann ist das für mich Lohnraub, der durch den Arbeitgeber an den Beschäftigten begannen wird. Und für mich gehört das bestraft. Es muss Sanktionen geben, damit das eben nicht mehr statt findet.

 

Sprecher

Zum Verständnis. Diese Wanderarbeit, diese Lohnsklaverei, dass geht nicht nur von ein Land in ein nächstes Land, sondern die Menschen pendeln.

 

O-Ton Justyna Oblacewicz

Deshalb nennen wir sie auch mobile Beschäftigte. Weil sie eben ihrer Arbeit nachziehen. Das ist genau so, wie sie es sagen. Es kann sein, dass sie ein Beschäftigungsverhältnis hier in Deutschland aufgenommen haben, das dann zu Ende gegangen ist, in der Regel gekündigt durch den Arbeitgeber, und dann gezwungen sind, weil sie hier keinem anderen Fleischbetrieb, wenn wir jetzt von der Fleischbranche sprechen, und keine Anstellung mehr finden, in die Niederlande ziehen. Ich selbst hatte auch so einen Fall gehabt. Sie erfahren in jedem dieser Länder Ausbeutung. Deutschland ist da jetzt keine Ausnahme. Und was sie dann eben tun müssen, sie müssen dann in jedem dieser Länder für ihr Recht kämpfen. Um den Lohn dann zu bekommen, den sie sich erarbeitet haben. Und ja, sie haben Recht, diese Menschen lassen ihre Familien bei sich zu Hause. Sie sind ständig allein, sie machen nichts anderes außer zu arbeiten. Sie haben überhaupt keine Zeit, um sich zu erholen. Und da geht mit der Zeit ihre Gesundheit drauf.

 

Sprecher

Warum gehen denn die Menschen aus ihrer Heimat weg?

 

O-Ton Justyna Oblacewicz

Die Menschen gehen aus diesen Ländern weg, weil sie dort keine Arbeitsbedingungen vorfinden, die ihnen ein Auskommen ermöglichen. Was sie sich für sich und für ihre Familien wünschen. Ich glaube, niemand geht so freiwillig aus dem Land, in dem er geboren ist. Die Menschen tun dies, weil sie dazu gezwungen sind. Es ist eine falsche Denke zu meinen, dann sind doch alle versorgt. Und in dem Herkunftsland geht es dann doch allen gut. Weil eben Fachkräfte, Menschen, die in diesen Ländern gebraucht werden, um die Arbeit zu tun, dann verschwinden. Die haben das Problem jetzt auch in Polen. Die so genannten ‚live ins‘ arbeiten jetzt hier in Deutschland, auf dem deutschen Arbeitsmarkt und kümmern sich um die deutschen Senioren und Seniorinnen. Dafür fehlen aber diese Personen in Polen. Das heißt auf Polen kommt genau das gleiche Problem zu wegen der alternden Gesellschaft. Das eben die Älteren und Kranken niemanden haben, der sich um sie kümmert. Und was wir beobachten ist eben genau das Gleiche. Da werden Pflegekräfte aus der Ukraine vermehrt angeworben. Also die Migranten, Arbeitsmigranten, die dort vor Ort sind, werden dann eben für diese Tätigkeiten bevorzugt eingesetzt.

 

Sprecher

Nun gibt es doch die europäische Entsenderichtlinie. Die ja dafür sorgen soll, dass zumindest Mindestlohn gezahlt wird und die Arbeitsbedingungen stimmen. Greift dieses Gesetz nicht?

 

O-Ton Justyna Oblacewicz

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Da muss man immer sehr genau gucken. Also wenn wir uns jetzt den Pflegesektor heraus picken, die häusliche Pflege, dann ist es tatsächlich so, dass in Polen die Entsendung so gut wie keine Rolle spielt. Da wird auf andere Vertragskonstruktionen zurück gegriffen. Die aber nach wie vor, und da ist es völlig egal, wie die heißen, wie sie ausgestaltet sind, dazu führen, dass die Mindestarbeitsstandards, die hier in Deutschland gelten müssen, unterlaufen werden systematisch. In der Fleischbranche haben wir beobachtet, dass stimmt, da gab es tatsächlich in der Vergangenheit vermehrt dieses Instrument der Entsendung, was verwendet wurde, aber es wurde missbräuchlich verwendet. Was eben dazu geführt hat, dass der öffentliche Druck auf die Fleischbranche letztlich dazu führte, dass die Arbeitsverträge in deutsches Recht überführt wurden. So das wir jetzt mit Beschäftigten in der Mehrzahl zu tun haben, die nach deutschen Recht beschäftigt werden. Was aber nicht bedeutet, dass dieses deutsche Recht auch eingehalten wird.

 

Sprecher

Was können den die Gewerkschaften jetzt tun?

 

 

O-Ton Justyna Oblacewicz

Wir versuchen zusammen mit den Gewerkschaften diese Zielgruppe auch speziell anzusprechen. Da ist ja das Problem der Sprache. Das man eben keine Betreuung, wie sie eigentlich normalerweise stattfindet, so nicht gewährleisten kann. Dazu sind Projekte wie wir, ‚Faire Mobilität‘, aber auch andere Projekte, länderfinanzierte Projekte, wahnsinnig wichtig. Und ansonsten müssen wir uns, glaube ich, gemeinsam mit den Gewerkschaften überlegen, was für eine Art von Mitgliedschaft es denn sein müsste, damit sie für die Beschäftigten annehmbar und attraktiv ist. Und da denke ich nicht nur im Kontext zwischen zwei Ländern. Sondern es müsste eigentlich eine Lösung erarbeitet werden, die auch europaweit greift. Also vielleicht ein europaweites Abkommen zwischen den Gewerkschaftsbünden, um eben auch eine Gewerkschaftsmitgliedschaft für die Menschen sinnvoll und attraktiv letztlich zu machen.

 

Sprecher

Es geht ja auch um Kontrolle. Der Zoll kontrolliert hier in Deutschland. Reicht das?

 

O-Ton Justyna Oblacewicz

Ich denke, wenn die Kontrollen so reichen würden, wie sie denn heute stattfinden, dann hätten wir als Beratungsstellen nichts zu tun. Die Praxis zeigt aber, dass die Kontrollen ja alleine das Kind schon nicht schaukeln können. Denn die Kontrollen müssten viel mehr sein und auch effektiver sein. Und sie müssten sich auf Bereiche ausdehnen lassen können, für die sie aktuell nicht zuständig sind. Das heißt ich als Arbeitnehmer, der ja am Ende dieses ganzen Prozesses oder dieser ganzen Kette steht, kann mich da auf den Zoll nicht verlassen. Der Zoll kann zwar die Verstöße beim Arbeitnehmer ahnden im Bezug auf die Sozialversicherungsbeiträge oder den Verstoß gegen das Mindestlohngesetz, aber ich stehe dann am Ende trotzdem da und muss meine Ansprüche vor Gericht selbst einklagen. Das ist zum Beispiel anders in machen osteuropäischen Ländern. Da gibt es eine Arbeitsinspektion. Es wird ja auch in dem Zusammenhang über eine ‚european labor operaty‚ gesprochen, kurz ELA, wo auch diskutiert wird, welche Befugnisse haben, um eben diese Ausbeutung irgendwie einzudämmen. Da muss es Lösungen geben. Da müssen welche entwickelt werden, die auch praktikabel sind. Und auch für den einzelnen Beschäftigen eine Hilfeleistung bieten.

 

Interview Ann-Katrin Steibert

URHEBERRECHTLICHER HINWEIS

Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf vom Empfänger ausschließlich zu rein privaten Zwecken genutzt werden. Jede Vervielfältigung, Verbreitung oder sonstige Nutzung, die über den in §§ 45 bis 63 Urheberrechtsgesetz geregelten Umfang hinausgeht, ist unzulässig.

© Axel Gauster/Nell-Breuning-Haus

 

Sende-Manuskript

Interview (Radiofeature) mit Ann-Katrin Steibert

in Herzogenrath/Deutschland März 2019

 

 

 

Sprecher

Das Thema Wanderarbeit in Europa wird zumindest hier in Deutschland richtig unterdrückt.

 

O-Ton Ann-Katrin Steibert

Ja ich finde, dass es in den letzten Monaten zumindest immer mehr zu einem Thema wird. Wenn man in die Paketbranche guckt. Jeder kriegt das tagein, tagaus mit, wenn Pakete von Hermes oder Amazon angeliefert werden. Wer die trägt, wie gut die Leute deutsch sprechen. Wer da ein bisschen nachdenkt, der weiss schon, dass es wahrscheinlich irgendwelche Wanderarbeiter sein werden. Und jeder kennt eigentlich auch aus dem Bekanntenkreis, aus dem eigenen Familienkreis ältere Menschen, die betreut werden von zumeist polnischen Frauen, die vierundzwanzig Stunden zur Veerfügung stehen. Dafür natürlich nicht ausreichend entlohnt werden. Insofern ist das Thema, würde ich einmal sagen, omnipräsent. Aber die Frage ist immer: 'Will ich mir das bewußt machen? Gestehe ich mir das ein'? Und ich glaube da kommt es gerade zu einem Umbruch, dass wir immer mehr das zulassen, dass es diese Probleme gibt. Und das da Handlungsbedarf besteht.

 

Sprecher

Sagt Ann-Katrin Steibert vom DGB Aachen. Die Gewerkschaften sehen die Entwicklung der vielen vielen Wanderbeschäftigen in und in Europa mit waschender Besorgnis. Beispiele und Maßnahmen im Rahmen des Seminars ‚Wanderarbeit in Europa – eine besondere Herausforderung für

menschenwürdige Arbeit in ausgewählten Branchen‘ im März 2019 in Herzogenrath. Hauptveranstalter ist das Nell-Breuning-Haus. 25 TeilnehmerInnen aus Ukraine, Litauen, Estland, Deutschland, Portugal, Spanien, Bulgarien sammeln Informationen zum Status quo der Wanderarbeit in der Europäischen Union. Die eingeladenen Initiativen stellen ihre Arbeit zum Thema vor, tauschen ihre Erfahrungen aus und erarbeiten den Dialog mit weiteren Initiativen und Gewerkschaften in den Entsendeländern.

Die TeilnehmerInnen kommen aus Gewerkschaften und katholischen Einrichtungen der ArbeitnehmerInnenbewegung.

Der Anteil an WanderarbeiterInnen innerhalb der Beschäftigungsstrukturen in Europa nimmt beständig zu. Mittlerweile ist Wanderarbeit ein wichtiger Bestandteil in der Landwirtschaft, in der Nahrungsmittelindustrie und in der Pflegelandschaft in Westeuropa.

 

Sprecher

Es passiert doch unglaublich viel, obwohl es so viele Gesetze gibt.

 

O-Ton Ann-Katrin Steibert

Es gibt für alles Gesetze. Und es gibt für alles Wege, um Gesetze zu umgehen. Das ist ja beim Mindestlohn in Deutschland genau so. Es gibt des Mindestlohn. Und es gibt Wege, um ihn zu umgehen. Und es gibt zu wenig Kontrollen. Zu wenig Beschäftigte, die diese Kontrollen machen können. Und dann sagt man sich als Arbeitgeber: ‚Gut, dann mache ich es halt. Ich komme ja damit durch. Es kontrolliert mich ja keiner‘. Und das ist das Problem bei diesen Gesetzen. Wir brauchen wirkungsvolle Kontrollmechanismen, wirkungsvolle Sanktionen, damit sich die Leute auch daran halten. Beim Entsendegesetz ist es zum Beispiel so, dass es Ausnahmen gibt. Also die Transportbranche ist einfach davon ausgenommen. Und das ist eigentlich die Branche, wo man mit diesem Gesetz richtig viel hätte bewegen können. Man kann nicht einfach sagen: ‚Ok. Es gibt jetzt das Gesetz. Alles wird gut‘. Sondern man muss wirklich noch einmal ganz genau gucken, was bedeutet das für die praktische Anwendung? Wie können wir dafür sorgen, dass das Gesetz auch eingehalten wird?

 

Sprecher

Man kann ja den Menschen, die dann von Bulgarien oder von Polen aus oder von Rumänien aus, die hier nach Deutschland, nach Frankreich aber vor allem nach Deutschland kommen, nicht den Vorwurf machen. Die sind das ja nicht schuld. Die versuchen alles, um irgendwie über die Runden zu kommen. Arbeiten die Gewerkschaften da zusammen?

 

O-Ton Ann-Katrin Steibert

Es gibt da auf jeden Fall Kontakte. Also man kann jetzt auch nicht sagen, der reiche Westen und der arme Osten. Da muss man ja auch noch einmal differenzieren. Bei uns verdient die Verkäuferin halt auch nicht mehr so viel in Deutschland. Ja. Wir haben einfach – insgesamt geht es uns gut. Aber wenn man sich die unteren Lohngruppen anguckt, denen geht es nicht mehr gut in Deutschland. Und andererseits im Nordosten haben wir Estland gesehen, die auf einem guten Weg sind, sage ich jetzt einmal. Deshalb muss man da ein bisschen differenziert drauf gucken.

 

Sprecher

Was bringt denn jetzt diese Veranstaltung dem Deutschen Gewerkschaftsbund, der ja Mitveranstalter hier dieser Sache ist?

 

O-Ton Ann-Katrin Steibert

Wir wollen mit dieser Veranstaltung erst einmal für das Thema sensibilisieren. Aufmerksam machen auf die Situation von Wanderarbeiter und Wanderarbeiterinnen. Wir wollen natürlich auch die einzelnen Initiativen vernetzen. ‚Faire Mobilität‘ war ja hier. Und Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten. Und ‚Arbeit und Leben‘ war auch hier. Beides Projekte, wo der DGB involviert ist. Die hier ja auch wieder mit anderen Initiativen aus Deutschland, aus Europa in Kontakt treten konnten. Und das ist sehr wichtig. Wir brauchen da eine gute Vernetzung. Einen guten Austausch. Wir ja auch nur europäisch hier heran gehen können.

 

Sprecher

Kontrollen, neue Tarifverträge, neue Arbeitsschutzgesetze, Informationen. Das Spektrum für bessere Arbeitsbedingungen für Wanderbeschäftigte ist breit. Aber die Gewerkschaften müssen dicke Bretter bohren und brauchen Geduld.

 

O-Ton Ann-Katrin Steibert

Ganz wichtig ist es, dass wir überlegen: ‚Wie können wir diese Wanderarbeiter und Wanderarbeiterinnen besser einbinden? Wie können wir ihnen eine Stimme geben? Wie können wir ihre Selbstorganisation unterstützen? Was braucht es da für Strukturen, damit die sich selbst organisieren können? Wie können wir sie ermächtigen, für ihre eigenen Interessen einzutreten?‘ Ich glaube, dass ist eine ganz wichtige Ebene. Wie wir sie informieren können über ihre Rechte. Und das Zweite ist natürlich die politische Ebene. Und da gilt es auch Öffentlichkeit zu schaffen. Druck aufzubauen. Und wir wissen ja was schlecht läuft. Wir haben auch Vorschläge und Konzepte, wie es besser laufen kann. Und das müssen wir aber an die Politik heran bringen. Und die Politik sollte das gerne auch so umsetzen. Da brauchen wir Kampagnen, wie wir so Druck erzeugen können, dass unsere Konzepte dann auch in der Politik Gehör finden.

 

Sprecher

Da stehen die Menschen, die sehr wenig Geld haben, auch sehr in der Zwickmühle. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Das zu kaufen. Selbst dann, wenn sie das wissen. Aber sie haben kein Geld, um sich etwas Hochwertiges kaufen zu können.

 

O-Ton Ann-Katrin Steibert

Ja. Ich kann das nicht dem Konsumenten überlassen. Ich glaube, da brauchen wir eine Systemänderung. Also wir haben in Deutschland eine Megaüberproduktion von Fleisch. Wir exportieren Fleisch. Wir machen durch unsere Fleischwirtschaft die Fleischwirtschaft in anderen Ländern kaputt, weil die nicht mehr mit uns mithalten können. Ich glaube, wenn wir da alle ein bisschen runter fahren würden, ordentliche Regelungen machen, die Leute ordentlich bezahlen würden, ein bisschen weniger exportieren würden, könnten wir uns alle trotzdem noch das Fleisch leisten und die Leute würden trotzdem gut bezahlt werden.

 

Interview Missionsschwester Svitlana und Johannes Eschweiler

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© Axel Gauster/Nell-Breuning-Haus

 

 

Sende-Manuskript

Interview (Radiofeature) mit Schwester Svitlana (SspS) und Johannes Eschweiler

in Herzogenrath/Deutschland März 2019

 

 

 

Sprecher

Was sind denn jetzt ‚Live Ins‘?

 

O-Ton Schwester Svitlana

Das sind die Frauen aus Osteuropa, die hier im Haushalt arbeiten. Und die Leute meistens vierundzwanzig Stunden betreuen. Viele Frauen, die einfach keine Arbeitsstelle wahrscheinlich in ihrem Land, in ihrer Heimat finden können und dann nach Westeuropa ziehen müssen, um ihre Familien mit Geld zu unterstützen und zu ernähren.

 

Sprecher

Sagt die Steyler Missionsschwester Svitlana aus Mönchengladbach. Sie und Johannes Eschweiler, Papstoralreferent der Betriebsseelsorge Heinsberg schildern ihre Erfahrungen mit Wanderarbeitern und Wanderarbeiterinnen. Im Rahmen des Seminars ‚Wanderarbeit in Europa – eine besondere Herausforderung für menschenwürdige Arbeit in ausgewählten Branchen‘ im März 2019 in Herzogenrath. Hauptveranstalter ist das Nell-Breuning-Haus. 25 TeilnehmerInnen aus Ukraine, Litauen, Estland, Deutschland, Portugal, Spanien, Bulgarien sammeln Informationen zum Status quo der Wanderarbeit in der Europäischen Union. Die eingeladenen Initiativen stellen ihre Arbeit zum Thema vor, tauschen ihre Erfahrungen aus und erarbeiten den Dialog mit weiteren Initiativen und Gewerkschaften in den Entsendeländern.

Die TeilnehmerInnen kommen aus Gewerkschaften und katholischen Einrichtungen der ArbeitnehmerInnenbewegung.

Der Anteil an WanderarbeiterInnen innerhalb der Beschäftigungsstrukturen in Europa nimmt beständig zu. Mittlerweile ist Wanderarbeit ein wichtiger Bestandteil in der Landwirtschaft, in der Nahrungsmittelindustrie und in der Pflegelandschaft in Westeuropa.

 

Sprecher

Beispiele aus der Welt der Wanderarbeit im Pflegebereich. Schwester Svitlana.

 

 

O-Ton Schwester Svitlana

Eine Polin ist nach Deutschland gekommen. Sie hat hier in der Region Heinsberg gearbeitet. Und hat eine ältere Frau betreut. Sie wollte zum Beispiel Bettwäsche wechseln. Die Frau hat kaum deutsch gesprochen, konnte nicht verstehen, was da gefragt wurde. Ja. Die haben einfach gestritten. Dann hat die Deutsche von Caritas jemanden angerufen und dann hat das alles erklärt. Was gebraucht wurde. Was sie eigentlich wollte. Von solchen ganz kleinen Dingen könnten dann sehr schwierige Situationen entstehen. Ja. Und es gibt sehr viele von diesen Situationen. Und die Sprache ist die erste Schwierigkeit. Wenn die Leute zusammen sind und sich sich verständigen können, dann ist es wirklich sehr sehr schwierig.

 

Sprecher

Es gibt keine richtigen Arbeitsverträge. Es ist alles sehr schwammig. Es gibt keine Privatsphäre.

 

O-Ton Johannes Eschweiler

In der Tat fängt das mit dem Arbeitsvertrag an, der meist gar nicht geschlossen wird. Es gibt natürlich auch eine rechtliche Bindung, wenn man per Handschlag einen Arbeitsvertrag schließt. Aber im Allgemeinen ist es doch einfach üblich, dass man einen schriftlichen Arbeitsvertrag hat. Und es sollte auch so sein, dass die Frau, wir haben eben von den Sprach- und Verständigungsproblemen gehört, diesen Arbeitsvertrag auch lesen kann. Und sich dann auch darauf beziehen kann. Da das aber mindestens in fünfundsiebzig Prozent der ‚Live In‘ – Beschäftigten halt nicht der Fall ist, sind auch andere Dinge nicht geregelt. Es gibt wenig Absprachen darüber, wo die Unterbringung ist. Es ist wenig Absprachen darüber, wie die Privatsphäre geregelt ist. Das heißt also: Ohne einen Arbeitsvertrag ist es auch ganz schwierig, die Dinge, die dann nach geordnet sind, dann auch zu regeln. Bis dahin dazu, dass auch nicht klar ist, welche Aufgaben die Frauen dann auch zu erfüllen haben. Ob sie für die ganze Familie kochen müssen beispielsweise. Oder nur für die Person, die da zu betreuen und zu pflegen ist.

 

Sprecher

Und es gibt eine massive Bevormundung durch Arbeitsvermittler. Schwester Svitlana und Johannes Eschweiler.

 

O-Ton Schwester Svitlana

Ich habe die Fälle auch erlebt, wenn die Frauen entsendet wurden. Die haben natürlich dann die Verträge in Polen unterschrieben. Hier in Deutschland durften sie den Familien nicht sagen, wie viel sie bekommen. Ja. Das war ein Geheimnis. Und wenn sie das gesagt haben, dann wurden sie von dieser Firma verfolgt und mussten die Stelle verlassen. Das ist auch schon passiert.

 

O-Ton Johannes Eschweiler

Würde ich gerne noch ergänzen. Also das ist auch ein Riesengeschäft der Agenturen. Es werden Millionen damit verdient. Also Beispiele sind, dass dann die Agentur im Monat für die Leistung der ‚Live In‘ über zweitausend Euro bekommt. Aber die Person dann selber, sie darf es ja nicht sagen, aber in den Gesprächen ist es dann doch heraus gekommen, bekommt dann vierhundert bis fünfhundert Euro. Da ist eine riesen Gewinnspanne, die da drin steckt. Nur für die Vermittlung.

 

Sprecher

Man muss einfach einmal über die Zäune klettern. Was kann man dagegen unternehmen, um verhindern, dass die Frauen da so ausgebeutet werden?

 

O-Ton Schwester Svitlana

Ja ich glaube, sind Beratungsstellen. Wo die Frauen hingehen können und sich dann beraten lassen. Das ist das Erste. Und ich habe viele Fälle auch erlebt, wo ich zu den Familien gegangen bin und es hat geholfen. Ja. Diese persönliche Unterstützung. Und einfach das sie auch spüren, dass jemand für sie steht. Das ist sehr wichtig. Was ich auch nötig finde, dass wir mehr Information geben. Den Familien und den Frauen. Das es mehrere Möglichkeiten gibt. Es gibt gute Agenturen, die wenig verdienen. Sie wollen mit guten Kunden arbeiten. Und auch gute Arbeitsbedingungen für die Frauen organisieren. Es steht sehr oft viel Angst dahinter. Ja. Wenn ich diese Stelle verliere, dann habe ich nichts. Und das ist nicht war.

 

Sprecher

Der persönliche Kontakt außerhalb des Arbeitsplatzes ist besonders wichtig. Johannes Eschweiler.

 

O-Ton Johannes Eschweiler

Gerade bei den ‚Live Ins‘ ist es so, dass sie in Privathaushalten arbeiten. Die haben wenig Kontakte. Man sieht das kaum, was sie tun. Die arbeiten vierundzwanzig Stunden. Die haben auch kaum Zeit, raus zu gehen. Von daher ist es da wichtig, Gemeinschaft anzubieten. Wir treffen uns dann auch in der Mittagszeiten, wo die älteren zu betreuenden Personen dann auch ihren Mittagsschlaf. Nur zu dieser zeit kann man sich treffen. Das Zweite ist, dass wir versuchen, auch noch einmal ins Gespräch zu kommen neben den Sprachkursen. Um zu schauen, wie wirkt das auf sie, ihre Lebens- und Arbeitssituation? Wo gibt es auch Notwendigkeiten, Hilfestellung zu leisten. Das Dritte ist, dass wir neben Beratung dann auch versuchen, auf politischer Ebene dafür zu sorgen, dass diese Beschäftigungsverhältnisse legalisiert werden. Das sie aus der Schwarzarbeit, aus der Scheinselbständigkeit, aus dieser Entsendung heraus kommen. Und das man sagt: ‚Wir haben in Deutschland eine gute Arbeitsgesetzgebung. Das gilt auch für alle, die hier bei uns arbeiten. Ob es nun die ‚Live In‘ sind. Oder ob es die Frauen und Männer in der Fleischindustrie sind. Oder im Hotel- und Gastgewerbe.‘

 

Sprecher

Christen beuten Christen aus.

 

O-Ton Schwester Svitlana

Ja das ist die Frage, was es bedeutet, Christ zu sein. Wir denken sehr oft, dass Christentum ist eine Tradition. Und das finde ich ganz falsch. Das ist die Frage, ob wir wirklich die christlichen Werte nehmen und ob wir versuchen, sie zu praktizieren. Die Antwort ist sehr oft negativ. Einmal hatte ich auch so eine Situation: Wenn die Frau nicht bezahlt wurde, dann habe ich den Sohn des Betreuten angerufen. Und der Sohn hat mir gesagt: ‚Ja er hat die Erstkommunion von seinem Kind gefeiert und hat keine Zeit gehabt, um das Geld zu bezahlen‘. Ja. Das ist lustig und traurig. Weil wir dann diese christlichen Werte wirklich nicht war nehmen.

 

O-Ton Johannes Eschweiler

Wir sind alle nach unserem Glauben Gottes Ebenbilder. Und vor Gott sind die Menschen auch gleich. Und wir haben sie dann auch gleich zu behandeln. Das ist für mich so ein Grundsatz, der eigentlich gelten muss. Für die gleiche Arbeit heisst das dann ganz konkret, dass es dann auch die gleichen Bedingungen gibt wie für die Deutschen hier.