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Arbeitswelt 2020

In der Mitteilung vom Jahr 2001 hatte die Europäische Kommission das Berufsfeld der Pflege mehr in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Sie hatte darauf hingewiesen, dass nationale Konzepte in der Europäischen Union im Gesundheitswesen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Medizinische Technologien nehmen an Kostenintensivität zu und Menschen stellen neue Ansprüche an die Kranken- und Altenpflege. Die Gesellschaften werden immer älter und traditionelle Familienstrukturen ändern sich. Die Familienangehörigen können aus beruflichen Gründen nicht für pflegebedürftige Personen sorgen und sind gezwungen eine Alternative zur häuslichen Pflege zu suchen. In Folge dessen werden Pflege- und Versorgungsleistungen zunehmend zur Aufgabe öffentlicher oder privater Anbieter.

 

Das Älterwerden der Population bringt noch einen anderen wichtigen Aspekt mit sich. Der Altersdurchschnitt der Arbeitskräfte in Krankenhäusern, Kliniken und besonders in der Pflege ist in den letzten Jahren bereits deutlich angestiegen. Aufgrund einer solchen demographischen Entwicklung wird es zunehmend schwierig, Arbeitsplätze in der Pflege adäquat zu besetzen. Der Berufsbereich kämpft bereits mit Arbeitskräftemangel. Hinzu kommt, dass nach wie vor viele Beschäftigte gerade im Gesundheitswesen lange vor dem gesetzlichen Rentenalter krankheitsbedingt oder wegen ungünstiger Arbeitsbedingungen aus dem Berufsleben aussteigen. Studien belegen, dass die Arbeitsbelastung tatsächlich in den vergangenen Jahren in allen Bereichen der Pflege zugenommen hat. Zu den Belastungsschwerpunkten der Arbeitssituation im Pflegebereich gehören eine steigende Zahl an geleisteten Überstunden, Schichtarbeit, Infektionsrisiken, der Umgang mit Sterben und Tod und andere Faktoren. Als mögliche Konsequenzen einer ungünstigen Arbeitssituation können Überforderung, Unzufriedenheit und Stress bei den Pflegekräften, ein hoher Krankenstand und wie bereits gesagt eine geringe Verweildauer im Beruf sein.

 

Aus diesen Gründen ist es wichtig, Arbeitgeber und Führungskräfte in Alten- und Krankenpflege gut zu beraten, und mit deren Zusammenarbeit Bildungsprogramme zu schaffen, die helfen attraktive und gesunde Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte zu schaffen. Die betriebliche Gesundheitsförderung sollte dort angesetzt werden, wo die meisten Probleme entstehen. Denn je mehr berufliche Belastungen vermindert werden, umso länger bleiben die Beschäftigten fit und gesund im Beruf. Besonders in der Pflege gibt es nämlich einen Zusammenhang zwischen gesunden Beschäftigten und gesunden Unternehmen. Der einzige Weg, die Pflege der Zukunft zu sichern, scheint also darin zu bestehen, die verbleibenden Pflegekräfte zu unterstützen und ihnen attraktive und gesunde Arbeitsplätze schaffen.

 

Zielsetzung des Projektes

Das Projekt verfolgt das Ziel salutogene Arbeitsbedingungen in der Kranken- und Altenpflege vorzuschlagen und dadurch zur Entstehung gesundheitsfördernder Arbeitsplätze beizutragen. Darüber hinaus soll es einen Überblick über die bisherige Forschung zu Fragen der psychosozialen Gesundheit am Arbeitsplatz in diesem Bereich geben. Die am Projekt teilnehmenden Personen und Institutionen sollen anschließend sowohl Anregungen für eigene wissenschaftliche und praxisorientierte Projekte gewinnen, als auch Einblick in die weiterführende Literatur und politische Ansätze gewinnen.

 

An dem Projekt sollen Bildungsexperten, Fachleute im Bereich der psychischen Gesundheitsprävention, sowie Führungskräfte von Unternehmen und Organisationen, die in der Kranken- und Altenpflege tätig sind, mitwirken. Aufgrund dieser Zusammenarbeit sollen Bildungsinstrumente entstehen, die in zwei Bereichen einsetzbar werden können. Zum einen sollen solche Bildungsinstrumente in Fort- und Weiterbildungskonzepte für Kranken- und Altenpflegekräfte hineinfließen. Laut Studien der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin trägt die “Verbesserung des Fortbildung-, Supervisions- und Ausbildungsangebots zur Bewältigung des Stress von Pflegekräften bei“.Zum Zweiten sollen die Bildungsbausteine direkt in der Ausbildung der Pflegekräfte eingesetzt werden können.

 

Um das primäre Ziel des Projektes zu erreichen, tatsächliche Bedürfnisse von Alten- und Pflegekräften konkret zu erörtern, wird an den theoretischen Teil anschließend eine schriftliche Befragung durchgeführt. An der Befragung nehmen Einrichtungen in den Partnerländern (Deutschland, Rumänien, Italien, Estland, Polen und Belgien), die Kontakte zu den Pflege- und Krankenzentren haben, teil. Die Ergebnisse der Umfrage sollen zu Vorschlägen von Bildungsmodulen des Kranken- und Pflegepersonal in den jeweiligen Ländern verarbeitet werden. Anschließend wird mit den Projektpartnern in der Praxis getestet, welche Ergebnisse als "europäische Empfehlung" genutzt werden können und welche regionalen Spezifika in den Partnerländern berücksichtigt werden müssen. Solche Handlungsempfehlungen sollen schließlich in berufsbegleitende Qualifizierungen von Mitarbeiter/innen im Gesundheitswesen einmünden. Andererseits sollen aus den Ergebnissen Empfehlungen und Anregungen für die politische und gesetzliche Rahmensetzung abgeleitet werden. Die Sozialpartner könnten auf bei der Suche nach neuen Methoden und Wegen, gesundheitsfördernde Arbeitsplätze einzurichten, auf ein solches Vorgehensmuster zurückgreifen.

 

Textnachweis

Pavla Wagner: Arbeitswelt 2020. Psychosoziale Folgen des Strukturwandels der Arbeit im europäischen Vergleich - effiziente Instrumente für eine Salutogenese in Unternehmen und Organisationen, die im Bereich der Alten- und Krankenpflege tätig sind. Seite 2 ff. Januar 2015, 26 Seiten

 

Zusammenfassung der Projektziele

Ermittlung von Faktoren für die psycho-soziale Gesundheit der ArbeitnehmerInnen in Pflegeberufen mittels einen Fragebogens Multiplikatorenschulungen aufgrund der erlangten Erkenntnisse.

Implementierung der erarbeiteten gesundheitsfördernden Vorgehens- und Verhaltensweisen in das Curriculum der Pflegeausbildung.

Positive Effekte durch Teilnahme (win-win-Situation).

kostenlose Qualifizierung einzelner KollegInnen im Projekt.

Verbesserung der Arbeitsbedingungen (vor allem für MitarbeiterInnen im Pflegebereich).

Stärkung des Betriebsklimas.

Vermeidung von (betriebswirtschaftlich schädlichen) Ausfallzeiten durch Krankheit.

Austauschbörse mit vergleichbaren Unternehmen in anderen europäischen Ländern.